Am 01.06.2026 starteten zehn Auszubildende der JBF Erfurt gemeinsam mit Herrn Stiehm, Herrn S. Stellmacher und Herrn Bohne in zwei Kleinbussen zu unserer Partnereinrichtung nach Norwegen. Mit dabei waren Shanti, Simon und Paul aus der Holztechnik, Arman und Jason aus der Metalltechnik, Jessica und Emmely aus der Farbtechnik, Mathilda aus der Küche sowie Jamey und Ernestine aus dem Bürobereich. Das diesjährige Austauschprogramm wurde gemeinsam mit der norwegischen Schulkoordinatorin Ann‑Elin Dyrøy vorbereitet. Hier ist ein Rückblick auf eine dreiwöchige Reise, die weit mehr war als ein Ausflug.
Von Erfurt ging es zunächst nach Kiel, wo die Gruppe nach einem Zwischenstopp am Falckensteiner Strand und in der Innenstadt die erste Nacht in der DJH Jugendherberge verbrachte. Am nächsten Tag folgte die Weiterfahrt nach Hirtshals – mit einem Abstecher zur Nordspitze Skagens, wo Nordsee und Ostsee aufeinandertreffen. Von dort aus ging es dann per Fähre weiter nach Bergen. Bei Ankunft im Hafen und einer letzten Fahrt erreichte die Gruppe schließlich ihr Ziel: das Lauvøy Feriesenter, ein Feriendorf auf einer Insel mit Blick auf die norwegische Küste, das für die kommenden Wochen zum neuen Zuhause wurde.
Nach dem Bezug der Unterkunft ging es direkt in die Praxis: Ein Besuch bei der Partnerschule Askøy vgs, der örtlichen Berufsschule, gab erste Einblicke ins norwegische Berufsbildungssystem – geführt von einem deutschsprachigen Lehrer, was so manche Verständnisfrage deutlich erleichterte. Noch am gleichen Tag folgte eine Besichtigung der verschiedenen Arbeitsstätten von Trigger Jobb AS in Florvåg und Askøy - ein sozialer Träger, der Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen einen Arbeitsplatz bietet und damit gleich zu Beginn zeigte, wie vielfältig Arbeit und Teilhabe sein kann.
Danach ging es an die eigentliche Vorbereitung, denn die Arbeitseinsätze an der Unterkunft wollten geplant sein. Außerdem mussten die mitgebrachten Holzwegweiser und Schilder montiert werden. Diese wurden bereits in Deutschland von den Azubis der Holztechnik gefertigt, sodass hier nur noch Schrauben, Bohren und die richtige Portion Fingerspitzengefühl gefragt waren. Nebenbei wurde ein alter Container entrümpelt und der Sperrmüll fachgerecht entsorgt – nicht die glamouröseste Aufgabe, aber eine, bei der schnell klar wurde: Anpacken gehört hier für wirklich alle dazu.
Norwegen zeigte sich auch von seiner spektakulären Seite: Ein Ausflug nach Bergen führte die Gruppe zum berühmten Bryggen, dem historischen Hanseviertel mit seinen bunten Holzhäusern direkt am Hafen. Wer dachte, danach sei erstmal Ruhe, wurde eines Besseren belehrt – mit der Gondel ging es hinauf auf den Ulriken, den Hausberg Bergens, und wer sich traute, durfte gleich noch die Zipline auf dem Gipfel ausprobieren. Ein weiterer Ausflug führte die Gruppe nach Gamle Bergen, einem Freilichtmuseum, in dem Schauspieler das Leben im Bergen des 19. Jahrhunderts lebendig werden ließen – inklusive waschechter Dialoge mit Schauspielern.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Mobilität war jedoch die Arbeit selbst – und die hatte es in sich. Bei Trigger Jobb AS lernten die Teilnehmenden über mehrere Tage die Bereiche Bäckerei, Küche, Wäscherei und Tischlerei kennen und arbeiteten dort tatkräftig mit. In der Unterkunft selbst wurde gleich an drei Großprojekten gearbeitet: Wohnungstüren wurden geschliffen und lackiert, ein Treibstoffschuppen für die Angelboote gebaut und ein Filetierunterstand errichtet. Wer schon mal versucht hat, einen Pfosten exakt ins Lot zu bringen, weiß: Das ist Millimeterarbeit, die Geduld und Konzentration braucht – aber auch ein Erfolgserlebnis, wenn am Ende alles gerade steht.
Nicht zu vergessen: Auch Azubis aus dem Bürobereich konnten dem Objektverantwortlichen des Feriencenters bei administrativen Aufgaben tatkräftig unter die Arme greifen.
Ergänzt wurde das Ganze durch einen Besuch des Trigger-Standorts in Straume in Woche 3, wobei die Bereiche Jobbfrukt (dort werden Obst- und Gemüsekisten für Kunden gepackt), eine Möbeltischlerei und ein Secondhand-Laden besichtigt wurden. Dies war ein weiterer Baustein im Verständnis dafür, wie unterschiedlich soziale Arbeitsintegration aussehen kann. Und auch handwerklich durfte nochmal nachgelegt werden, denn im Bereich Metalltechnik der Partnerschule Askøy vgs fertigten alle in eifriger Handarbeit eine eigene Metallrose, die jeder als Souvenir mitnehmen durfte.
Zwischen all der Arbeit blieb auch Raum für echte norwegische Naturerlebnisse. Ein Tagesausflug führte zum Steinsdalsfossen, einem großen Wasserfall, weiter zum Museum für Schiffsbau und Küstenkultur in Norheimsund und schließlich zur RIB-Safari im Hardangerfjord. Mit einem Schlauchboot ging es rasant an Wasserfällen und kleinen Inseln vorbei direkt in den Fjord zum verschlafenen Örtchen Botnen – Fahrtwind, Gischt und norwegische Landschaft inklusive.
Auch das gemeinsame Miteinander kam nicht zu kurz: Beim Angelausflug mit Coaching und einer Kanufahrt auf dem Siglingevatnet ging es entspannter zu, während es beim Teambuilding im Sotra Wilderness Center mit Axtwerfen, Bogenschießen und Aktenkoffer-Zielwurf deutlich actionreicher wurde.
Natürlich durfte auch die freie Zeit nicht fehlen. Ein Ausflug durch die Innenstadt Bergens und ein Besuch im Thon Senter Vestkanten standen ebenso auf dem Programm wie Kartfahren und kleine Verschnaufpausen zwischen all den neuen Eindrücken. Beim Kartfahren ging es dabei durchaus rasant zur Sache: Selbst kleine Blessuren taten der guten Stimmung keinen Abbruch. Am letzten Tag vor der Abreise ging es noch in die Magic Ice Bar Bergen, komplett aus Eis gebaut, bevor beim Abschiedsessen im Restaurant Frescohallen gemeinsam auf drei ereignisreiche Wochen zurückgeblickt wurde.
Nach so viel Norwegen hieß es dann: Koffer packen, ein letztes Mal die Aussicht genießen, Tränen trocknen und zurück ging die Reise – mit der Fähre von Bergen nach Hirtshals und von dort aus mit den Kleinbussen zurück nach Erfurt. Im Gepäck waren jede Menge handwerkliches Können, neue Fach- und Sprachkenntnisse, unvergessliche Erlebnisse – und die eine oder andere selbstgefertigte Metallrose.
Fazit
Was diese drei Wochen besonders gemacht hat, war nicht nur die beeindruckende Kulisse aus Fjorden und Bergen, sondern vor allem der Einsatzwille und das Durchhaltevermögen von Shanti, Simon, Paul, Jason, Arman, Jessica, Emmely, Mathilda, Jamey und Ernestine. Jede und jeder Einzelne konnte sich in einem neuen, ungewohnten Umfeld ausprobieren, fachlich wie persönlich über sich hinauswachsen und erleben, dass Arbeit – egal ob an der Werkbank, am Malerpinsel, im Büro oder in der Küche – überall auf der Welt Sinn stiften kann. Genau das ist es, was eine Mobilitätsreise so wertvoll macht: nicht nur neue Kompetenzen und einmalige Momente, sondern auch das gute Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben.
Ein herzliches Dankeschön geht an das Lauvøy Feriesenter, die Askøy vgs und Trigger Jobb AS für die herzliche Aufnahme und die Möglichkeit, so viele wertvolle Einblicke und Arbeitserfahrungen sammeln zu dürfen.
Text, Fotos: Alexander Bohne